Rekultivierungsplanung


Bergbau und Deponie

Beim Gebiet handelt es sich um einen ehemaligen Bergbaubetrieb, in dem Eisenerz teils unter Tage, teils im Tagebau abgebaut worden ist. Von 1973 bis 2005 wurde die Fläche als Abfalldeponie genutzt. Einige Bereiche sind vollständig verfüllt und rekultiviert, auf einer Teilfläche wird heute noch mineralischer Restabfall abgelagert.

 

Weite Flächen sind von der Deponie nicht berührt oder werden zur Gewinnung von Material, etwa Löß zur Abdeckung genutzt. Außer den Deponieflächen sind die meisten Gebiete noch mehr oder weniger vom Bergbau geprägt, sei es, dass die Reste des ehemaligen Tagebaus die Oberfläche bilden, sei es, dass Flächen gesperrt werden mussten, weil die darunter liegenden Stollen einbrechen. Sowohl auf den Deponieflächen als auch auf den Resten des Tagebau haben sich meist sehr wertvolle Biotoptypen entwickelt.

 

Für das Gebiet hat unser Büro 1997 ein Rekultivierungs- und Biotoppflegeplan erarbeitet. Die dort formulierten Pflegeziele werden seither mit unserer Beratung umgesetzt.

 

Die Geschichte des Bergbaus, Fossilien der Jura-Schichten, Orchideen, Schmetterlinge, Amphibien und Reptilien, Vögel und Säugetiere sowie Mülldeponie und Rekultivierung sind in einer umfassenden und hervorragend bebilderten Monographie dargestellt: REICHENBACH, B., BOSCH, K., GIBIS, G. UND SCHULTE-FISCHEDICK, W. (1998): DER KAHLENBERG UND SEINE SCHÄTZE. 472 S. RINGSHEIM

 

Lösterrassen bei Ringsheim
Lösterrassen bei Ringsheim

Landschaft:

Das Gebiet liegt in der Lahr-Emmendinger Vorbergzone bei Ringsheim. Die Landschaft ist geprägt von Lößterrassen, die meist als Reben genutzt werden.

Eingestreut sind größere Gehölzbestände, die sich teilweise auf älteren Bergbau-Flächen entwickelt haben. Ein Steinbruch in nächster Nähe ist für den Naturschutz im Gebiet von Bedeutung.

Neu geschaffenen Steilwände
Neu geschaffenen Steilwände

1998 musste ein Gebiet wegen Stolleneinbrüchen gesperrt werden. Die Reben wurden ausgestockt, die Fläche an- schließend eingesät. Zur Einsaat wurde Mähgut von Halbtrockenrasen der Rhein-Hochwasserdämme verwendet, um Arten der dort vorkommenden  Pflanzengesellschaften anzusiedeln.

 

Zwischenzeitlich sind eine Reihe von Arten der Halbtrockenrasen hier aufgegangen.

 

Weiter wurden zahlreiche Steilwände neu geschaffen, damit Spezialisten wie Hautflügler aber auch Vögel ihre Bruthöhlen hier anlegen können. Bereits ein Jahr nach der Anlage haben Bienenfresser hier ihre Bruthöhlen gegraben und gebrütet.

 

Foto: H.P. Püschel
Foto: H.P. Püschel

Der Bienenfresser Merops apiaster gehört zu den Rackenvögeln. Der etwa drosselgroße Vogel ernährt sich vor allem von stechenden Kerbtieren wie Bienen, Wespen, Hummeln oder Hornissen, die er meistens von einer Warte aus erspäht und im Jagdflug erbeutet. Auffallend sind das farbenfrohe Gefieder, der schlanke Schnabel und die zwei spitzen Schwanzfedern.

Er brütet in Steilwänden aus Sand und Lehm. Ende Mai gräbt er eine lange Röhre in die Wand, an deren Ende er sieben weiße Eier legt. Ab Anfang Juli kann man die bereits flüggen Jungen mit den Altvögeln umherfliegen sehen. Der Bienenfresser ist ein bekanntes Beispiel für Tierarten, die wegen der Klimaerwärmung in den letzten Jahren aus südlichen Gegenden zu uns eingewandert sind

 

Großterrassen auf einer ehemaligen Deponie

Ablagerungsbereich Süd

Dieser Deponieteil wurde zwischen 1973 und 1984 verfüllt, dann rekultiviert. Die Oberfläche wurde 2002 nochmals umgestaltet. Bei dieser Umgestaltung wurde die Bedeutung dieser Flächen für die Heidelerche besonders berücksichtigt: Auf den großflächig gemähten Böschungen wurden einzelne Gehölzgruppen angepflanzt. An der Vorderkante der Terrassen wurden Singwarten für die Heidelerche geschaffen, an den Böschungsunterkanten mageres Substrat aufgetragen, auf dem sich nur eine schüttere Vegetation entwickelt.

 

Entsprechende Biotopelemente werden von der Heidelerche gerne genutzt.

Zudem wurden an den Böschungen Haufen mit Kalksteinen aufgeschüttet, die von Reptilien besiedelt werden. Im Vordergrund ist ein Absetzbecken mit Schilf erkennbar.

 

Ablagerungsbereich Nord

Nach der Ablagerung wurden weite Flächen dieses Deponieteils mit Bäumen, vor allem Schwarzerlen, auch Robinien bepflanzt.

In den letzten Jahren wurden diese Bestände nach und nach ausgelichtet und so ein Mosaik aus offenen Rasenflächen und Gehölzgruppen geschaffen.

Vom Tagbau zum Lebensraum des Bitterling

Die Oberfläche ist aufgrund der früheren Tagebau-Nutzung sehr stark bewegt. Eingestreut sind anstehendes Gestein, aber auch Flächen mit Stauschichten.

Aufgrund dieser Verhältnisse hat sich ein Mosaik aus unterschiedlichen Pflanzengesellschaften entwickelt. Kennzeichnend ist das Vorkommen zahlreicher Orchideen  sowie einer sehr seltenen Unterart des Durchwachsenen Bitterling (Blackstonia perfoliata ssp. perfoliata).

 

Die Fläche wird regelmäßig gemäht und von dichtem Gehölzbewuchs freigehalten. Einzelne Bäume, vor allem Birken, verbleiben im heideartigen Bestand.

Blackstonia perfoliata ssp. perfoliata _ Durchwachsener Bitterling

Epipactis palustris _ Sumpfstendelwurz


Abgrabungsfläche als Pionierstandort 

Im Gebiet werden noch verschiedene Materialien gewonnen, die für den Deponiebetrieb benötigt werden. Im Rekultivierungsplan ist vorgesehen, anstehende Schichten zu erhalten und Flachstellen zu schaffen, auf denen sich Wasser zeitweilig stauen kann. Damit werden Flächen geschaffen, auf denen der Bitterling, aber auch Orchideen wie die Sumpfstendelwurz (Epipactis palustris) ideale Standortsbedingungen finden. 

Eine Orchidee kommt selten allein


Die Pyramidenorchis (Anacamptis pyramidalis) hat sich in den Jahren seit 2014 sehr stark vermehrt,  die Bienen-Ragwurz (Ophris apifera) erschien schon in den Jahren zuvor je nach Witterung massenhaft.

Landschaftspflege

Die im Rekultivierungskonzept gesetzten  Entwicklungsziele werden mit regelmäßiger Pflege umgesetzt.

Dabei erfordern die Lebensraumansprüche der verschiedenen Pflanzen und Tierarten ein zeitlich wie räumlich fein differenziertes Vorgehen. Die Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea) leuchtet zwischen Gräsern und Kräutern.

 

Auftraggeber: Zweckverband Abfallbehandlung Kahlenberg